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Ärzt*innen

Für Ärzt*innen: Türöffner für bessere Versorgung

Wenn Patient*innen gezielt ins Gespräch einbezogen werden, wird sichtbar, was ihnen wichtig ist: Ihre Fragen, Sorgen, Ziele und Lebensumstände. So entstehen Entscheidungen, die medizinisch fundiert sind und zum Leben der Patient*innen passen – und daher besser verstanden, mitgetragen und umgesetzt werden können.

Was erwartet Sie hier?

Shared Decision Making für Ärzt*innen: Patient*innen wirksam einbinden

Ärztliche Gespräche müssen vieles leisten: informieren, einordnen, entscheiden - und das oft in kurzer Zeit. Shared Decision Making (SDM) ist kein Widerspruch zu diesen Anforderungen. Es ist eine Antwort darauf. Wie das konkret funktioniert, zeigt diese Seite. 

01 SDM im Praxisalltag

Gespräche, die Versorgung verbessern können

SDM bedeutet nicht, dass Ärzt*innen die Führung aus der Hand geben. Es bedeutet, dass medizinische Entscheidungen so besprochen werden, dass Patient*innen sie wirklich nachvollziehen können - und ihre eigene Perspektive einbringen. 

Das klingt nach Mehraufwand. Ist es aber nicht zwangsläufig. Denn Gespräche, in denen Optionen klar benannt, Fragen früh gestellt und persönliche Prioritäten offen gemacht werden, führen zu tragfähigeren Entscheidungen. Weniger Rückrufe. Weniger Unsicherheit im Nachgang. Weniger stille Abbrüche in der Therapie. 

Daten aus der krankenhausweiten SDM-Implementierung am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zeigen das konkret: Ein höheres SDM-Level – also mehr gemeinsam entscheiden – geht einher mit mehr Gesundheitskompetenz bei Patient*innen, mehr Sicherheit im Behandlungsprozess und einem messbaren Rückgang von Notfalleinweisungen um 13 Prozent. Gesprächsqualität und Versorgungseffizienz können sich unter guten strukturellen Bedingungen gegenseitig verstärken.

SDM verbessert die Qualität von Entscheidungen und kann die Versorgung gleichzeitig effizienter machen, ohne dass Gespräche länger werden. Die Untersuchungen am Universitätsklinikum Kiel haben gezeigt, dass die Gesprächsdauer vor SDM im Durchschnitt bei 20 Minuten lag, während der SDM Lernphase bei 22 Minuten und danach bei durchschnittlich 18 Minuten.*

* Rüffer JU. „Patientenbeteiligung hat hervorragende Effekte. Interview. Pharma Fakten, 2025. Verfügbar unter: pharma-fakten.de/news/patientenbeteiligung-hat-hervorragende-effekte/

02 Unsicherheit sichtbar machen

Das stille "Ja" erkennen

Viele Patient*innen sagen "Ja" zu einer Entscheidung, haben aber danach oft noch Fragen. Nicht, weil sie desinteressiert wären. Sondern weil ärztliche Gespräche für sie oft komplex, belastend und informationsreich sind. Sie verarbeiten gerade einen Befund, fühlen sich unter Zeitdruck, sorgen sich, den Gesprächsfluss zu unterbrechen und nicken dann, obwohl ihnen noch vieles unklar ist. 

Dieses stille "Ja" ist ein bekanntes Phänomen in der Versorgungsforschung. Es ist kein Zeichen von Einverständnis, sondern das Ergebnis einer Situation, in der Unsicherheit nicht leicht artikuliert werden kann. Die Folgen zeigen sich später: in sinkender Therapietreue, in Rückfragen, in Terminen, die Missverständnisse klären müssen oder in Behandlungsabbrüchen, die sich hätten vermeiden lassen. 

Das stille "Ja" kostet mehr, als man es vielleicht wahrnimmt - an Vertrauen, an Therapietreue, an Versorgungsqualität.

Als Ärzt*in können Sie aktiv dazu beitragen, dieses Muster zu unterbrechen. Nicht durch längere Gespräche, sondern durch Gesprächsmomente, die Unsicherheit ausdrücklich willkommen heißen. Kurze Formulierungen wie: „An dieser Stelle haben viele Patient*innen noch Fragen.“ Oder: „Ich möchte sichergehen, dass das verständlich ist - was ist noch offen?“ schaffen einen anderen Rahmen. 

03 Gespräch gezielt öffnen

Ask3: Drei Fragen, mehr Klarheit

3 Fragen vor dem "Ja"

3 Fragen vor dem "Ja"

Praktische Gesprächshilfe zum Mitnehmen: drei Fragen, die helfen, Ihre Wünsche stärker in die Entscheidung einzubeziehen.

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Eine der einfachsten und zugleich wirksamsten Möglichkeiten, Beteiligung im Gespräch zu fördern, ist Ask3 - drei Fragen, die Patient*innen gezielt in das Gespräch bringen. Aus einer wissenschaftlich kontrollierten Studie wissen wir: Wenn Patient*innen lernen, diese drei Fragen zu stellen, verbessert sich die Informationsqualität, die sie erhalten, messbar. Die Fragen funktionieren als Struktur für gute Gespräche.

Die 3 Fragen vor dem "Ja"

1. Welche Möglichkeiten habe ich?

2. Welche Vor- und Nachteile gibt es?

3. Wie wahrscheinlich treten diese bei mir ein?

Für Sie als Ärzt*in bedeutet Ask3 nicht, dass Patient*innen das Gespräch übernehmen. Es bedeutet, dass sie mit einem konkreten Fokus ins Gespräch kommen. Die Fragen helfen Ihnen, Optionen strukturierter zu erläutern, individuelle Risiken besser einzuordnen und früh sichtbar zu machen, wo noch Erklärungsbedarf besteht. 

Ask3 müssen Sie nicht ausführlich einführen. Ein Satz reicht:  

„Diese drei Fragen helfen vielen Patient*innen, die wichtigsten Punkte im Blick zu behalten. Stellen Sie gerne jede davon.“ 

Das genügt. Es signalisiert Offenheit, ohne den Gesprächsfluss zu unterbrechen. 

04 Bedürfnisse erkennen

Therapieoptionen individuell abwägen

Medizinische Evidenz bleibt die Grundlage jeder klinischen Entscheidung. SDM trägt dazu bei, sie auf den konkreten Menschen zu beziehen. Und genau hier werden Präferenzen relevant: Wie wichtig ist Mobilität für diese Person? Welche Nebenwirkungen wären für ihren Alltag nicht tragbar? Hat sie familiäre Verpflichtungen, die eine bestimmte Behandlungsintensität ausschließen? Was bedeutet Lebensqualität für sie konkret? 

Das bedeutet nicht, dass subjektive Wünsche über medizinische Kriterien gestellt werden. Es bedeutet, dass fachlich vertretbare Optionen so besprochen werden, dass sichtbar wird, welche davon für diesen Menschen sinnvoll und im Alltag realistisch ist. Eine medizinisch gleichwertige Option, die ein*e Patient*in konsequent umsetzen kann, ist der Option vorzuziehen, die nach drei Wochen abgebrochen wird.

Hilfreiche Formulierungen für das Gespräch: 

  • Was ist Ihnen bei dieser Entscheidung besonders wichtig?

  • Gibt es etwas, das Sie auf keinen Fall in Kauf nehmen möchten?

  • Wie würde sich das auf Ihren Alltag auswirken?

  • An dieser Stelle fragen viele noch: Wie sicher ist das?

Diese Fragen brauchen oft nur 30 Sekunden - und verändern die Gesprächsdynamik.

05 SDM im Team verankern

Ask3 als Versorgungs-standard

Ask3 ist ein Baustein - ein besonders niedrigschwelliger, gut einsetzbarer Baustein. Aber SDM entfaltet seine volle Wirkung, wenn mehrere Elemente zusammenspielen: geschulte Ärzt*innen, die SDM strukturiert anwenden. Pflegefachpersonen, die als Decision Coaches Patient*innen begleiten. Evidenzbasierte Entscheidungshilfen, die Patient*innen vorbereiten. Und ein Behandlungsteam, das gemeinsames Entscheiden als geteilte Haltung versteht - nicht als Einzelinitiative. 

Die Kampagne MiT MiR! bündelt genau dafür Ressourcen: Materialien für Ihre Praxis, Informationen für Patient*innen, Entscheidungshilfen - und perspektivisch Webinare und CME-Angebote zu SDM im Praxisalltag. 

Wenn das gesamte Versorgungssystem in dieselbe Richtung zeigt, dann wird gemeinsames Entscheiden nicht zur Ausnahme, sondern zum Standard.

06 FAQ

Häufige Fragen und Antworten

Ja, vor allem dann, wenn SDM nicht als Zusatzprogramm verstanden wird, sondern als strukturierte Form, Optionen und Unsicherheiten nachvollziehbar zu besprechen. Die Daten aus Kiel zeigen: Gespräche verlängern sich dadurch nicht automatisch. Was sich ändert, ist ihre Qualität. 

Nicht zwangsläufig. Im Kieler Modell verlängerte sich die Konsultationsdauer nicht, während gleichzeitig Notfalleinweisungen sanken und der Ressourcenverbrauch zurückging. Entscheidend ist weniger die Dauer als die Struktur des Gesprächs. Und ein Gespräch, das Fragen früh beantwortet, spart Folgegespräche. 

Wenige Fragen bedeuten selten wenig Gesprächsbedarf. Oft ist das Gegenteil der Fall. Hilfreich ist, Rückfragen nicht nur zuzulassen, sondern aktiv einzuladen, zum Beispiel durch Formulierungen, die Unsicherheit normalisieren. Ask3 kann dabei helfen, weil es Patient*innen einen konkreten Einstieg gibt, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen. 

SDM respektiert Autonomie in beide Richtungen. Wer nach umfassender Information eine Entscheidung lieber delegiert, hat dieses Recht. Wichtig ist, dass diese Wahl getroffen werden kann und nicht Ausdruck von Unsicherheit, Überrumpelung oder fehlender Information ist. 

Legen Sie den Ask3-Flyer im Wartezimmer aus oder geben Sie ihn aktiv mit. Ein kurzer Hinweis im Gespräch reicht: „Drei Fragen, die viele hilfreich finden. Stellen Sie alle, die Sie interessieren.“ Das dauert zehn Sekunden und öffnet den Raum für das, was sonst vielleicht ungesagt bleibt.