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Patient*innen

Für Patient*innen: Chefin meines Körpers

Gute Entscheidungen entstehen gemeinsam. 
Viele Menschen sagen im ärztlichen Gespräch "Ja" – 
und haben danach noch Fragen. 

Das muss nicht so bleiben. Wer Fragen stellt, kann besser mitentscheiden. 

Was erwartet Sie hier?

Shared Decision Making: So können Sie bei Ihrer Behandlung mitentscheiden.

Sie haben mehr zu sagen, als Sie vielleicht denken: Wenn es um Ihre Behandlung geht, zählt nicht nur das, was medizinisch möglich ist. Es zählt auch, was zu Ihrem Leben passt. Shared Decision Making (SDM) – gemeinsames Entscheiden – bringt beides zusammen. Wie das geht und was Ihnen dabei hilft, erfahren Sie hier. 

01 Eigene Perspektive zählt

Was bedeutet gemeinsames Entscheiden?

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei Ihrer Ärzt*in oder Ihre*m Arzt und erfahren, dass Sie eine Entscheidung treffen müssen – über eine Behandlung, eine Operation, eine Therapie. Es wird erklärt, was medizinisch sinnvoll wäre. Aber wird auch gefragt, was Ihnen dabei wichtig ist? Was Ihnen Sorgen macht? Was in Ihr Leben passt – und was nicht? 

Genau das ist SDM. Es ist kein Modewort und keine Methode, die nur in Fachkliniken funktioniert. Es ist ein Prinzip, das in jedem ärztlichen Gespräch wirksam werden kann: Medizinisches Wissen und Ihre persönliche Lebenswirklichkeit fließen gemeinsam in die Entscheidung ein. Das Ergebnis ist eine Behandlung, hinter der Sie wirklich stehen können – weil sie nicht nur auf dem Papier gut ist, sondern weil sie zu Ihnen passt. 

Beim gemeinsamen Entscheiden geht es nicht darum, alles selbst entscheiden zu müssen. Es geht darum, dass Ihre Perspektive ausdrücklich Teil der Entscheidung wird.

Forschungsergebnisse zeigen: Patient*innen, die aktiv in ihre Behandlungsentscheidungen einbezogen werden, halten Therapien konsequenter durch, sind zufriedener mit ihrer Versorgung und fühlen sich weniger allein gelassen. Das ist kein Zufall. Denn wer versteht, warum eine Behandlung zu ihm passt, hat einen ganz anderen Grund, mitzumachen. 

02 Im ärztlichen Gespräch

Nicken heißt nicht immer "Ja"

Viele Menschen gehen mit dem Gefühl aus einer Praxis oder einer Klinik, dass da noch etwas offengeblieben ist. Eine Frage, die man vergessen hat. Ein Punkt, der einem unklar ist, aber im Moment zu kompliziert erschien, um nachzufragen. Eine Entscheidung, zu der man eigentlich Ja gesagt hat – obwohl man sich noch nicht sicher war. 

Das ist kein Zeichen von Unwissenheit oder Schwäche. Es ist ein ganz normales Phänomen. Ärztliche Gespräche sind oft kurz, manchmal belastend, fast immer informationsreich. Man verarbeitet gerade einen Befund, denkt gleichzeitig über die nächsten Termine nach — und soll in dieser Situation auch noch kluge Fragen stellen. Kein Wunder, dass viele schweigend nicken und erst auf dem Heimweg merken, was sie eigentlich noch wissen wollten. 

Hinzu kommt: Viele Menschen trauen sich nicht zu fragen, weil sie befürchten, den Betrieb aufzuhalten oder als schwierig zu gelten. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Ärzt*innen, die Fragen bekommen, können besser erklären, gezielter informieren – und am Ende gemeinsam mit ihren Patient*innen zu besseren Entscheidungen kommen. 

03 Behandlung abwägen

Welche Fragen sollte ich stellen?

3 Fragen vor dem "Ja"

3 Fragen vor dem "Ja"

Praktische Gesprächshilfe zum Mitnehmen: drei Fragen, die helfen, Ihre Wünsche stärker in die Entscheidung einzubeziehen.

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Es gibt eine einfache Möglichkeit, ins Gespräch zu finden, auch wenn man unsicher ist: Die drei Fragen vor dem "Ja". Diese Fragen sind wissenschaftlich erprobt. Studien zeigen, dass Patient*innen, die sie stellen, mehr und bessere Informationen erhalten – und ihre Entscheidungen besser mittragen.

Die 3 Fragen vor dem "Ja"

1. Welche Möglichkeiten habe ich?

2. Welche Vor- und Nachteile gibt es?

3. Wie wahrscheinlich treten diese bei mir ein?

Diese drei Fragen wirken auf den ersten Blick einfach. Und das sind sie auch – absichtlich. Sie sollen leicht zu merken und in jedem Gespräch einsetzbar sein, ohne dass man vorher Medizin studiert haben muss. 

Frage eins klärt: Haben Sie wirklich eine Wahl? Gibt es mehrere Optionen – einschließlich der Möglichkeit, zunächst abzuwarten? Frage zwei macht deutlich, was hinter jeder Option steckt: Was spricht dafür, was dagegen, welche Risiken gibt es? Und Frage drei bringt das alles in Ihre persönliche Wirklichkeit: Nicht die abstrakte Wahrscheinlichkeit interessiert, sondern die, die für Sie gilt, mit Ihrer Geschichte, Ihrem Körper, Ihrer Situation. 

Schreiben Sie sich die drei Fragen auf. Oder fotografieren Sie diese Seite. Legen Sie sich die Fragen vor dem nächsten ärztlichen Gespräch bereit und stellen Sie sie. Fragen ist kein Stören. Es ist Ihr gutes Recht. 

04 Unsicherheiten klären

Was ist Ihnen bei Ihrer Behandlung wichtig?

Bevor Sie ins ärztliche Gespräch gehen, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich selbst zu fragen: Was möchte ich bei dieser Entscheidung eigentlich nicht verlieren? Was wäre für mich eine Belastung, die ich nur schwer tragen kann? Was ist verhandelbar – und was nicht? 

Diese Fragen sind keine medizinischen Fragen. Aber sie sind genauso wichtig. Denn eine Behandlung, die medizinisch optimal ist, aber Ihren Alltag auf den Kopf stellt, Ihr Familienleben belastet oder eine Nebenwirkung mitbringt, die Sie schlicht nicht akzeptieren möchten, ist für Sie vielleicht nicht die beste Wahl. 

Gemeinsames Entscheiden schafft den Rahmen, genau darüber zu sprechen. Nicht als Wunschkonzert, sondern als echte Auseinandersetzung: Was ist medizinisch vertretbar? Und welche dieser Möglichkeiten passt zu Ihnen? 

Tipp

Überlegen Sie vor dem nächsten Gespräch:

  • Was verstehe ich an meiner Situation noch nicht?

  • Was macht mir am meisten Sorgen?

  • Was muss ich im Alltag aufrechterhalten können – egal was?

  • Gibt es jemanden, den ich mitbringen möchte?

05 Nachfragen erlaubt

Was tun, wenn das ärztliche Gespräch schwierig ist?

Manchmal fühlt es sich an, als wäre die Entscheidung schon gefallen, bevor Sie etwas sagen konnten. Als würde die Zeit drängen. Als wäre Ihr Zögern ein Hindernis. 

In diesen Momenten ist es wichtig zu wissen: Sie dürfen nachfragen. Sie dürfen bitten, dass etwas noch einmal erklärt wird, und zwar auf eine Weise, die Sie wirklich verstehen. Sie dürfen sagen, dass Sie Zeit brauchen, um zu überlegen. Und Sie dürfen um einen weiteren Termin bitten, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie jetzt noch keine gute Entscheidung treffen können. 

SDM bedeutet auch: die Entscheidung darf aufgeschoben werden, wenn das medizinisch möglich ist. Und Sie dürfen dabei Unterstützung einfordern: von Ihrer Ärzt*in, Ihre*m Arzt, von einer Pflegefachperson, von einer Begleitperson oder einer Beratungsstelle. 

Sie müssen beim gemeinsamen Entscheiden nicht alles allein wissen oder allein tragen. Es geht darum, gemeinsam zu einem guten Ergebnis zu kommen.

06 FAQ

Häufige Fragen zum gemeinsamen Entscheiden

Nein. Es geht nicht darum, Verantwortung auf Sie abzuwälzen. Ärzt*innen bringen ihr Fachwissen ein – und Sie bringen Ihre Perspektive. Gemeinsam kommen Sie zu einer Entscheidung, die medizinisch gut begründet und für Ihr Leben passend ist. Wer mehr Orientierung möchte, bekommt sie. Wer mehr mitentscheiden möchte, bekommt den Raum dafür. 

Immer dann, wenn es mehrere medizinisch vertretbare Optionen gibt und die Entscheidung Ihren Alltag stark beeinflusst. Zum Beispiel: verschiedene Behandlungsformen mit unterschiedlichen Nebenwirkungsprofilen, die Frage zwischen Operation und konservativer Therapie oder Entscheidungen, bei denen Lebensqualität, Arbeit, Familie oder Mobilität eine wichtige Rolle spielen. 

Sprechen Sie es aus. Sagen Sie: Ich brauche noch etwas Zeit. Ich möchte das noch einmal in Ruhe überdenken. Ich habe noch eine Frage. Das sind keine Schwächen – das sind Zeichen, dass Sie Ihre Entscheidung ernst nehmen. Kein*e seriöse*r Ärzt*in wird das falsch verstehen. 

Das müssen Sie nicht. Gute Entscheidungen setzen kein Vorwissen voraus, sondern Ärzt*innen, die verständlich erklären. Wenn Sie etwas nicht verstehen, fragen Sie nach. Immer. So oft wie nötig. Das ist keine Zumutung — das ist Teil des Patient*innenteilhabegesetzes und gehört zu Ihren Rechten.

07 Unterstützung finden

Anlaufstellen und Informationen

Manchmal braucht man mehr als ein Gespräch in der Praxis oder in der Klinik. Diese Anlaufstellen helfen weiter: 

Verlässliche Gesundheitsinformationen

Bundesministerium für Gesundheit

Verständliche Infos zu Gesundheitsfragen und medizinischen Entscheidungen

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Evidenzbasierte Informationen zu Erkrankungen und Behandlungen

Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Unabhängige Beratung zu Patient*innenrechten und Versorgungsfragen

Stiftung Gesundheitswissen

Tipps für bessere ärztliche Gespräche

Informationsangebote unserer Partner

Novartis Deutschland

Engagement für Patient*innen Informiert über Patient*innenprogramme, Unterstützungsangebote und das gesellschaftliche Engagement von Novartis in Deutschland 

GSK Deutschland

Bietet Informationen zu Patient*innenprogrammen, Zuzahlungsbefreiung und Unterstützungsleistungen für Patient*innen in Deutschland

Johnson & Johnson

Internationaler Gesundheitskonzern mit Informationen zu Medizinprodukten, Pharmazeutika und Initiativen zur Verbesserung der globalen Gesundheitsversorgung

AbbVie Deutschland

Stellt Informationen zu Erkrankungen, verfügbaren Therapien und Unterstützungsangeboten für Patient*innen bereit

Informationsangebote unserer Unterstützer

Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS e.V.)

Setzt sich für sichere Versorgung ein und stellt Materialien, Leitlinien und Informationen für Patient*innen bereit

Deutsche Gesellschaft für Patientensicherheit (DGPS)

Fördert Patient*innenensicherheit in Klinik und Praxis durch Forschung, Vernetzung und praxisnahe Empfehlungen 

Deutsche Krebsgesellschaft

Größte onkologische Fachgesellschaft Deutschlands – vernetzt Fachleute, fördert Forschung und informiert Patient*innen und Angehörige 

Vision Zero Oncology

Initiative mit dem Ziel, vermeidbare Krebstodesfälle zu verhindern – durch bessere Prävention, Früherkennung und Versorgung 

SHARE TO CARE

Bundesweites Programm zur Umsetzung von Shared Decision Making in der Routineversorgung mit Trainings, Tools und Netzwerk

Leistungen und soziale Unterstützung

Ihre Krankenkasse

Bei Fragen zu Leistungen, Kostenübernahme und Rehabilitation

Deutsche Rentenversicherung

Bei Fragen zu Teilhabe und Rückkehr in den Beruf

Gesundheits- und Sozialämter

Lokale Anlaufstellen für weiterführende Beratung